Jagdschein machen – Alles was Du dazu dringend wissen mußt

Warum willst Du den Jagdschein machen?

Jagdschein machen
Hochsitz

Das Interesse an der Jagd nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Immer mehr Menschen wünschen sich einen Gegenpol zu der hoch technisierten Welt, in der wir mittlerweile in Deutschland leben. Es besteht eine große Sehnsucht nach einem Zurück zur Natur, abseits von virtuellen Erlebnissen. Und es gibt sie tatsächlich noch, die echte Welt. Sie ist um uns herum, wir nehmen sie nur kaum noch war. Die Landschaft, die wir bei einem Spaziergang oder aus dem Auto heraus betrachten ist der Lebensraum wild lebender Tiere und Pflanzen. Eine ganze Welt, die wir nicht mehr verstehen und von der wir allenfalls ein idealisiertes Bild im Kopf haben. Sich mit dieser Welt wieder zu vereinen, ihre Rhythmen und Regeln wieder besser zu verstehen, an ihr teilzunehmen und nicht nur verständnisloser Zuschauer zu sein, ist für viele, vielleicht auch für Dich der Grund, den Jagdschein zu machen. Falls Du noch nicht genau weißt, ob Du den Jagdschein machen sollst und wie Du es schaffen kannst, die Jägerprüfung zu bestehen, solltest Du weiterlesen

Wie kommt Fleisch auf Deinen Teller?

Wenn Du aus einer jagdlichen Familie stammst und mit der Jagd aufgewachsen bist, hast Du eventuell schon eine klare Vorstellung, was die Jagd für Dich bedeuten wird. Natürlich wirst Du den Jagdschein machen. Wenn Du Dir aber noch unsicher bist, ob Du den Jagdschein machen sollst und bisher keinen engeren Kontakt zur Jagd hattest, solltest Du Dir vor der Anmeldung bei einem Jagdkurs Gedanken machen, welche Vorstellungen Du von der Jagd eigentlich hast. Vermutlich werden sich einige dieser Vorstellungen während Deiner Vorbereitungszeit auf die Prüfung wandeln. Bei der Jagd denken die meisten Menschen an das Nachstellen und Töten von Wildtieren. Natürlich ist dieser Teil der Jagd ein wichtiges Thema und lässt sich von der Jagd nicht trennen. Wenn Du den Jagdschein machen möchtest, solltest Du den Gedanken, ob Du ein Tier töten kannst und was es dafür für Gründe gibt schon einmal durchdacht haben.

Wildfleisch – Eine wertvolle Resource

Ein Grund, ein Tier zu töten ist der Verzehr von Fleisch. Tatsächlich essen viele Jäger eher wenig Fleisch. Die wenigsten Jäger gehen regelmäßig in einen Supermarkt und kaufen billiges Fleisch aus dem Angebot. Kaum jemandem ist so bewusst wie dem Jäger, daß das Fleisch in der Supermarkttheke einmal ein lebendiges Tier gewesen ist, das für den Verzehr zuvor getötet wurde. Ein Unterschied zwischen dem Schweineschnitzel aus dem Discounter und dem Rehrücken aus eigener Jagd ist die Wertschätzung, die man dem Stück Fleisch auf dem Teller entgegenbringt. Hat man das Tier selbst gejagt, selbst ausgenommen und selbst verarbeitet, kommt man nicht so schnell auf die Idee, das Stück Fleisch verderben zu lassen und wegzuschmeißen. Im Gegensatz dazu landen 7 Prozent des in Deutschlands Supermärkten gekauften Fleisches im Abfalleimer1.

Tierhaltung in Freiheit

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Damspiesser

Ein weiterer entscheidender Unterschied sind die Lebensumstände des Tieres vor seinem Tod. Wenn artgerechte Tierhaltung für Dich eine Rolle bei der Auswahl deiner Nahrungsmittel spielt, kannst Du keine bessere Wahl treffen als in Freiheit geschossenes Wild. Tiertransporte, Massentierhaltung, der Horror der Schlachthöfe, all das bleibt diesen Tieren erspart. Ohne den Akt des Tötens kommt allerdings kein Stück Fleisch auf Deinen Teller. Kaufst Du das Fleisch im Supermarkt, hat diese Arbeit jemand anders für Dich übernommen und das Tier starb vermutlich unter schlechteren Bedingungen als bei der Jagd. Hier lebte das Tier bis zum letzten Augenblick in seiner natürlichen Umwelt und bekam von dem tödlichen Schuss im besten Fall nichts mehr mit.

Der Jagdschein zeigt Dir eine neue Welt

Nur die wenigsten Jäger würden von sich behaupten, daß das Erlegen von artgerecht aufgewachsenem Wild für die Nahrungsbeschaffung der zentrale Teil ihrer Jagdleidenschaft ist. Für die meisten bedeutet die Jagd vielmehr die aktive Teilnahme an der Natur. Durch das Wissen aus der Prüfungsvorbereitung und die stetig anwachsende Erfahrung wird der Blick für die Umwelt verändert. Der Jäger nimmt die ihn umgebende Natur anders war. Wo andere nur einen grünen Wald oder einen Knick sehen, sieht der Jäger mehr. Eine aufgewühlte Stelle am Waldboden erkennt er als die Plätzstelle eines Rehbocks, der sein Territorium markiert, eine unscheinbare Mulde im Feld als Sasse eines Feldhasen und frische Abdrücke im Neuschnee als Spur eines jagenden Marders. Die Natur um uns herum ist voller Hinweise für die Anwesenheit von Wildtieren. Die meisten Menschen können diese Zeichen allerdings nicht mehr erkennen. Den Jagdschein zu machen bedeutet, daß Du dieses Wissen zurückgewinnst und Dich der Natur wieder annäherst. Wenn der Wechsel der Jahreszeiten für Dich bisher nur ein Wechsel des Wetters und der entsprechenden Kleidung war, so wirst Du die Jahreszeiten nach Deiner Jägerprüfung als Grundlage für die Lebenszyklen von Tieren und Pflanzen verstehen. Wenn Du in den Himmel schaust, wirst Du nicht nur einen unbekannten großen Vogel sehen sondern einen Raubvogel, den Du benennen kannst und von dem Du weißt, wo er überwintert, wie er seine Jungvögel aufzieht und nach welcher Beute er Ausschau hält. Ein Reh auf der Wiese ist nicht einfach nur ein niedliches Bambi sondern ein Rehbock einer bestimmten Altersklasse mit einem speziellen Gehörn einer bestimmten Entwicklungsstufe, stark oder schwach, gesund oder krank. Kurz und gut, Du wirst mehr sehen, als Du je gedacht hast. Eine neue Welt wird sich Dir auftun. Dafür lohnt es sich, viel Zeit in die Prüfungsvorbereitung zu investieren.

 

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Das komplette Prüfungswissen in einem Skript zusammengefasst

Du hast Dich entschieden?

Wenn Du nach diesen Überlegungen immer noch den Jagdschein machen willst, solltest Du Dein Vorhaben in die Tat umsetzten. Aber was mußt Du alles bedenken?

Der Vorbereitungskurs

Jagdschein machen
Vorbereitungskurs

Wenn Du Dir nun sicher bist, daß Du den Jagdschein machen willst, stellt sich die Frage, was musst Du konkret tun. Nun, Du solltest Dich als erstes bei einem Vorbereitungslehrgang für die Jägerprüfung anmelden. Am besten schaust Du auf der Internetseite Deines Landesjagdverbands, welche Kurse dort empfohlen werden. Aber auch eine einfache Google-Suche kann hier weiterhelfen. Der klassische Vorbereitungskurs dauert in der Regel ca. 6-8 Monate und beinhaltet meist zwei wöchentliche Termine von ca. zwei Stunden theoretischer Wissensvermittlung. Dazu kommen eventuell noch zusätzliche Exkursionen am Wochenende und regelmäßiges Schießtraining. Wenn das für Dich recht zeitaufwendig kling, liegst Du richtig. Du darfst aber nicht vergessen, daß der Stoff extrem umfangreich ist. Nicht umsonst nennt man den Jagdschein auch das grüne Abitur. Angeboten werden auch Kompaktkurse, bei denen Du in 2-3 Wochen den Jagdschein machen kannst. Das prüfungsrelevante Wissen wird Dir dabei in ganztägigem Unterricht regelrecht eingetrichtert. Wie lange sich solch kurzfristig erworbenes Wissen bei Dir halten wird, mußt Du selber entscheiden. Angebote wie „Jagdschein machen in 7 Tagen“ mögen verlockend klingen, sind aber meiner Meinung nach als unseriös abzutun. Ein Punkt, der für den klassischen Kurs spricht sei noch erwähnt. Diese Kurse werden meist von den Kreisjägerschaften organisiert. Das heißt, die Dozenten stammen aus der Gegend. Das bietet Dir die Möglichkeit, schon während der Ausbildung erste Kontakte zu knüpfen. Wenn Du später mal in ein Revier oder zu einer Treibjagd eingeladen werden möchtest, können Dir diese Kontakte ungemein weiterhelfen.

Was mußt Du für die Jägerprüfung wissen und können?

Meist ist das theoretische Prüfungswissen in vier Fächer aufgeteilt. Für die Prüfung, wie auch für Dein späteres Jägerleben mußt Du dieses Wissen komplett drauf haben. Fast alles was Du hier lernst, ist später auch praxisrelevant.

Im Fach Wildtierkunde lernst Du alles über die jagdbaren Tierarten und die Tierarten, die Du nicht mit ihnen verwechseln solltest. Du wirst danach in der Lage sein, die Tiere zu identifizieren, wissen, wie sie leben, wie sie sich vermehren und wie sie ihre Jungen aufziehen. Du wirst ihre Jagd- und Schonzeiten kennen und lernen, wie man sie bejagt und ihr Alter abschätzen können. Außerdem werden grundlegende Prinzipien des Land- und Waldbaus vermittelt sowie die Prinzipien der Wildhege. 

Im Fach Waffenkunde wirst Du Dich vertraut machen mit den verschiedenen Arten von Jagdwaffen, lernst die entscheidenen Sicherheitsaspekte und die praktische Waffenhandhabung. Auf diese beiden letzten Punkte wird bei der Prüfung besonders Wert gelegt. Unsicheres Hantieren mit den Prüfungswaffen oder Verletzen der Sicherheitsbestimmungen führt schnell zum Versagen des Jagdscheines. Willst du erfolgreich den Jagdschein machen, solltest Du die praktische Waffenhandhabung so oft wie möglich üben. 

Das Fach Jagdbetrieb beinhaltet die verschiedenen Jagdarten, geht auf Wildkrankheiten ein und behandelt Techniken und Vorschriften der Wildverarbeitung. Es wird eingegangen auf Jagdtradionen und das Jagdhundewesen. 

Am Fach Recht wirst Du nicht vorbeikommen, wenn Du den Jagdschein machen willst. Du mußt Dich im Jagdrecht und Waffenrecht auskennen und Kenntnisse des Natur- und Tierschutzrechts nachweisen können. 

Bei den praktischen Schießübungen lernst Du das Schießen mit der Flinte und der Büchse (Kugel). Die Vorgaben für die Jägerprüfung unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Beim Flintenschießen mußt Du eine vorgegebene Zahl von Tontauben treffen, beim Büchsenschießen mußt Du eine vorgegeben Zahl von Ringen auf der Rehbockscheibe und / oder den laufenden Keiler erreichen. 

Informationsquellen zur Vorbereitung auf die Jägerprüfung

Willst Du den Jagdschein machen und dich auf die Jägerprüfung vorbereiten, stehen Dir eine Vielzahl von Informationsquellen zur Verfügung

Klassische Lehrbücher, die Dir umfangreich das nötige Wissen vermitteln und sich auch später noch zum Nachlesen und Stöbern eignen. Hier eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit

  1. H. Krebs: Vor und nach der Jägerprüfung
  2. S. Seibt: Grundwissen Jägerprüfung
  3. Blase: Die Jägerprüfung

Lernskripte zum Wiederholen des prüfungsrelevanten Stoffes

  1. Das Jagdskript als PDF-Download
  2. Das Jagdskript in gebundener Form

YouTube-Videos zur Waffenhandhabung und Wildarten

Jagdzeiten der Bundesländer

  1. Schonzeiten.de

Jagdrecht online

  1. Bundesjagdgesetz (Bundesamt für Justiz)
  2. Waffengesetz (Bundesamt für Justiz)
  3. Bundesnaturschutzgesetz (Bundesamt für Justiz)

Die Jägerprüfung

Wenn Du den Vorbereitungskurs abgeschlossen hast, kannst Du Dich der Jägerprüfung stellen und den Jagdschein machen. Die Prüfung gliedert sich meist in mehrere Einzelprüfungen. In der schriftlichen Prüfung wird das komplette Wissen abgefragt. Hier mußt Du unbedingt glänzen. Dazu kommt eine mündliche Prüfung und eine Schießprüfung. Die Durchfallquote der Jägerprüfung liegt seit Jahren zwischen 15% und 20%. Gerade die Schießprüfung stellt für viele eine besondere Hürde da. Sieh zu, daß Du so viel wie möglich trainierst. Wer schlecht schießt fällt zum einen schnell durch die Prüfung und wird zum anderen auch später auf der Jagd unangenehm auffallen. Deine Mitjäger werden es nicht tolerieren, wenn Du das Wild durch schlechte Schüsse unnötigen Qualen aussetzt.

Vorraussetzungen für den Jagdschein

Willst Du den Jagdschein machen, mußt Du folgende Vorraussetzungen erfüllen

  1. Du mußt mindestens 16 Jahre alt sein
  2. In den meisten Bundesländern mußt Du die erfolgreiche Teilnahme an einem Vorbereitungslehrgang nachweisen können
  3. Du mußt die Jägerprüfung bestanden haben
  4. Du brauchst eine gültige Jagdhaftpflichtversicherung
  5. Du mußt ein einwandfreies Führungszeugnis vorlegen können sowie eine Bescheinigung Deiner Zuverlässigkeitnach dem Waffengesetz

Die Kosten

Eines sollte Dir klar sein, die Kosten für den Jagdschein und die spätere Jagd sind nicht unerheblich. Bis Du den Jagdschein in Händen hältst, kommt einiges auf Dich zu. Jagdschein machen kostet Geld

  1. Der Vorbereitungskurs: Die Klassischen Kurse sind in der Regel günstiger als die Kompaktkurse. Für den klassischen Kurs mußt Du mit Preisen zwischen 1000 und 1500 Euro rechnen. Ein Kompaktkurs kostet hingegen zwischen 1500 und 2500 Euro
  2. Schießtraining: Willst Du den Jagdschein machen, mußt Du gut schiessen können. Für Munition brauchst Du ca. 200-400 Euro
  3. Lernmaterial: Ohne gute Bücher und Lernskripte kommst du nicht weit. Rechne nochmal ca. 50-100 Euro hinzu.
  4. Prüfungsgebühren: Je nach Bundesland ca. 150 Euro
  5. Haftpflichtversicherung: Je nach Anbieter
  6. Grundausstattung: Hier macht es kaum Sinn Durchschnittsangaben zu machen. Vierstellige Beträge kommen schnell zusammen. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Du brauchst Waffen, einen gesetzlich vorgeschriebenen Waffenschrank, Fernglas, geeignete Kleidung inkl. Schießweste und Gummistiefel, Rucksack und vieles mehr. Nun fang aber nicht gleich an, die eine Erstausrüstung zuzulegen. Warte erst einmal ab, was man Dir im Jagdkurs empfiehlt. Vielleicht sind ja auch Gruppenrabatte Deiner Jagdschule möglich.

 

Nach der Jägerprüfung

Der Jagdschein

Wenn Du die Jägerprüfung erfolgreich bestanden hast, und die notwendigen Vorraussetzungen nachgewiesen hast,  kannst Du Dir einen Jagdschein von der unteren Jagdbehörde ausstellen lassen. Dabei hast du die Wahl zwischen einem Jahres-Jagdschein von 1, 2 oder 3 Jahren Gültigkeit. Du kannst aber auch einen Tages-Jagdschein für 14 Tage einlösen. Die Jahres-Jagdscheine gelten immer für ein ganzes Jagdjahr vom 1. April bis zum 31. März des kommenden Jahres. Mit dem Jagdschein alleine darfst Du allerdings noch nicht auf Jagd gehen. Du brauchst noch die Erlaubnis eines Jagdausübungsberechtigten. Also eines Jagdevierpächters oder Revierinhabers. Du selber giltst für die ersten 3 Jahre noch als Jungjäger und kannst kein eigenes Revier pachten. Hier helfen Dir in der Regel nur die Kontakte weiter, die Du während des Vorbereitungskurses geknüpft hast, oder die Du schon vorher hattest. 

 

Quellen

  1. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Lebensmittelabfälle in Deutschland: Neue Studie über Höhe der Lebensmittelabfälle nach Sektoren (zur Studie)

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